Sprachförderung

Lern- und Entwicklungsstörungen
Lern- und Entwicklungsstörungen sind erhebliche Beeinträchtigungen im Lernen, in der Sprache sowie in der emotionalen und sozialen Entwicklung, die sich häufig gegenseitig bedingen oder wechselseitig verstärken. Sie können zu einem Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung in mehr als einem dieser Förderschwerpunkte führen.
Förderschwerpunkt Sprache
Sprache ist der Schlüssel zur Bildung und zur Teilhabe an der Gesellschaft. Deshalb ist die sprachliche Bildung und die sonderpädagogische Sprachförderung unserer Schülerinnen und Schüler in unserer Schule zentral.
Sprachliche Auffälligkeiten und Störungen
Viele Schülerinnen und Schüler benötigen aus unterschiedlichen Gründen Sprachförderung. Wenn sich diese Störungen auf das schulische Lernen negativ auswirken, sprechen wir von sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf im Förderschwerpunkt Sprache.
Ein Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung im Förderschwerpunkt Sprache besteht, wenn der Gebrauch der Sprache nachhaltig gestört und mit erheblichem subjektiven Störungsbewusstsein sowie Beeinträchtigungen in der Kommunikation verbunden ist und dies nicht alleine durch außerschulische Maßnahmen behoben werden kann (§ 4.3 AO-SF).
Die häufigste Form im Kindesalter sind Sprachentwicklungsstörungen:
  • Die Sprachentwicklung ist verzögert und läuft meist andersartig ab verglichen mit Gleichaltrigen.
  • Es können mehrere Sprachebenen betroffen sein, aber auch nur einzelne.
  • Das Kind hat Probleme beim Sprechen und/oder beim Verstehen.
Probleme beim Sprechen
  • Das Kind hat Probleme, sich sprachlich, aber auch nonverbal auszudrücken bzw. aktiv zu äußern.
  • Das Kind produziert falsche Laute, Lautverbindungen, Wörter, grammatikalische Strukturen.
Probleme im Verstehen
  • Das Kind kann Wörter, Sätze oder Texte nicht altersgemäß entschlüsseln.
  • Das Kind versteht Arbeitsaufträge häufig falsch oder gar nicht.
  • Das Kind beantwortet Fragen unpassend oder unvollständig.
  • Die Reaktion des Kindes auf Aufforderungen ist falsch oder unpassend.
  • Das Kind kann wichtige nicht von unwichtigen Informationen unterscheiden.
Die vier Sprachebenen
1. Aussprache
Bestimmte Laute werden im Vergleich zu Gleichaltrigen immer noch falsch gebildet oder durch andere ersetzt oder ausgelassen.
2. Wortschatz
  • Das Kind hat im Vergleich zu Gleichaltrigen einen eingeschränkten Wortschatz.
  • Das Kind hat Probleme beim Speichern von Wörtern und dadurch einen deutlich reduzierten Wortschatz.
  • Das Kind hat Probleme beim Wortabruf und ersetzt z.B. unbekannte Wörter durch Umschreibungen (z.B. „eine Blume mit Stacheln“ statt Kaktus) oder unspezifische Wörter (z.B. „Dings“ statt Kaktus).
3. Grammatik
  • Das Kind stellt Verben nicht an die richtige Stelle im Satz, z.B. „Anton Brot essen“.
  • Das Kind verwendet Artikel falsch, z.B. „Das ist eine Auto.“
  • Das Kind bildet den Plural falsch, z.B. „Da sind viele Kinders.“
4. Kommunikation
  • Das Kind kann im Gespräch nur schwer bzw. eingeschränkt Blickkontakt halten.
  • Das Kind benutzt reduzierte Gestik und Mimik.
  • Das Kind spricht häufig nach.
  • Das Kind hört oft nicht zu, wenn jemand spricht.
  • Das Kind hat kein Interesse an Kontaktaufnahmen bzw. vermeidet Gespräche.
  • Das Kind hat Schwierigkeiten, die Perspektive des Gesprächspartners einzunehmen oder sich sprachlich eindeutig zu äußern.
Kommunikation ist das Herzstück unseres Unterrichts
Wir schaffen eine kommunikationsfördernde Atmosphäre durch:
  • angenehmes und angstfreies Kommunikationsklima
  • wertschätzenden Umgang mit Schülerbeiträgen
  • bewusste und geplante Verwendung sprachlicher Mittel durch die Lehrkraft
  • Kommunikationsregeln
Wir fördern sprachliche Bildung durch sprachsensiblen und sprachfördernden Unterricht, indem wir:
  • Rituale als Sprechanlässe im Morgenkreis, für den Tagesablauf, für den Kalender, für den Kompetenzerwerb nutzen
  • die Klassengemeinschaft fördern
  • eine positive Fehlerkultur leben
  • Kommunikationsvorbilder sind
  • das Nachfragen fördern
  • das Zuhören schulen
  • Strategien zur Klärung von Wortbedeutungen erarbeiten
  • immer nachfragen, ob das Kind alles verstanden hat
  • stets versuchen, Ihr Kind zu verstehen
  • sichern, dass Ihr Kind Sprache versteht
  • Handzeichen verwenden
  • mit Ihrem Kind und Ihnen individuelle Ziele und Maßnahmen im Förderplan vereinbaren
Unsere Lehrersprache ist deutlich, lautrein und nicht zu schnell:
  • wir betonen
  • wir legen Sprechpausen ein
  • wir sprechen in kurzen einfachen Sätzen
  • wir sprechen immer in der richtigen Reihenfolge
  • wir hören zu
Alle kommen zu Wort.
Förderschwerpunkt Lernen
Ein Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung im Förderschwerpunkt Lernen besteht, wenn die Lern- und Leistungsausfälle schwerwiegender, umfänglicher und langdauernder Art sind. Wenn sich dies im Laufe der Grundschulzeit bei Ihrem Kind zeigt, kommen wir auf Sie zu. Es gibt Schülerinnen und Schüler, bei denen der Förderschwerpunkt Lernen zusätzlich zum bereits beschiedenen Förderschwerpunkt Sprache dazukommt. Ihr Kind kann in diesem Fall weiter unsere Schule besuchen.
Unsere Maßnahmen im Unterricht
  • Individuelle Lernprozessdiagnostik in allen Fächern, besonders in Deutsch und Mathematik
  • Individuell angepasste Förderpläne
  • Handlungsorientierter Unterricht: wir nutzen Anschauungsmaterialien und praktische Beispiele – das Gelernte wird durch eigenes Tun „begreifen durch Anfassen“ besser verinnerlicht
  • Gezieltes Training der Kulturtechniken (lesen, schreiben, rechnen)
  • Strukturierte Aufgaben und kleine Lernschritte: klare visuelle Tagesstrukturen, reizarme Arbeitsplätze und verlässliche Routinen geben Sicherheit und Orientierung
  • Einsatz visueller und haptischer Lernmittel
  • Entschleunigung und kleine Schritte: Reduzierung der Stofffülle zugunsten einer intensiven Festigung, um Überforderung zu vermeiden und Erfolgserlebnisse zu ermöglichen
  • Differenzierte Aufgabenstellung: Anpassung der Aufgaben an das individuelle Leistungsvermögen (z.B. kürzere Texte, andere Aufgabenformate)